Robotik-Blog
-
Human Touch
von Arne am 09.12.2009 um 14:26 Uhr
Oft sind es die kleinen Bewegungen und Gesten, die einen Roboter menschlich oder zumindest lebendig erscheinen lassen. Ein Beispiel dafür habe ich kürzlich hier gezeigt: den kleinen Humanoiden ROPID.
Den Menschen direkt nachzubilden, ist in dieser Hinsicht ein gefährlicher Weg, da er den Roboter schnell gefährlich nahe an das oder sogar direkt in das Uncanny Valley führt. [1]
Dass die optische Ähnlichkeit jedoch gar nicht zwingend notwendig ist, zeigt ein neues Beispiel eines Marimba-spielenden Roboters namens Shimon. Eine Marimba ist ein Xylophon, auf dem Shimon zu Musik, die er hört, live improvisieren kann. Ein Musiker spielt auf einem Piano eine Musikstück und Shimon erkennt Rythmus und Thema und spielt nach kurzer Zeit passend mit. Wie das aussieht, ist im folgenden Video zu sehen:
Shimon improvisiert auf einer MarimbaUm Shimon weiter zu einem vollwertigen Mitglied einer Band auszubauen, hat man sich nun in der Robotic Musicianship Group an der Georgia Tech einen passenden Kopf zu dem Roboter ausgedacht, der signalisiert, dass der Roboter die Musik fühlt. Der Roboter wippt dazu mit dem Kopf im Takt, blinzelt mit den Augen und nimmt Blickkontakt mit umstehenden Bandmitgliedern auf. Hier im Video:
Shimon fühlt die MusikIch bin schon sehr gespannt, den Roboter einmal improvisierend und mit dem Kopf wippend in einer echten Band mitspielen zu sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er darin ein absurd stimmiges Bild abgibt. Ich hoffe, dieses Video bekommt man bald zu sehen. In dem Fall werde ich es natürlich hier zeigen.
Shimon via Planet Robotics.
- 1
- Das Uncanny Valley („unheimliches Tal“) bezeichnet den Effekt, dass Roboter dem Menschen nicht in gleichem Maße vertrauter werden, wie sie ihm ähnlich werden. Stattdessen gibt es einen Knick, das Uncanny Valley, in dem der Roboter dem Menschen sehr ähnlich, ihm dabei aber unheimlich und fremd ist. Erstaunlicherweise fremder als Roboter, die dem Menschen nicht so ähnlich sind. Uncanny Valley in der Wikipedia.
-
Roboexotica
von Arne am 01.12.2009 um 14:37 Uhr
Die Roboexotica (in eigener Schreibweise auch RobÖxotica) ist Österreichs Festival für Cocktail-Robotik. In diesem Jahr hat man sich als Räumlichkeit die ehemalige Drinkomat-Halle in Wien ausgesucht. Das Festival startet übermorgen, wer den Cocktail-Robotern in diesem Jahr bei der Arbeit zusehen will, hat also in wenigen Tagen Gelegenheit dazu. Das Festival, inklusive der Verleihung des ACRA, des Annual Cocktail Robot Awards, findet vom 3. Dezember bis zum 6. Dezember statt. Wie wild es dabei zugeht, ist im folgenden Video zu sehen:
Roboexotica 2007Es entsteht der Eindruck, der wissenschaftliche Anspruch ist nicht primärer Antrieb der Organisatoren und Besucher.
Viele Fotos zur Veranstaltung finden sich bei flickr bei der Suche nach RobÖxotica. Das Event findet sich auch nebenan im Event-Kalender, den man jetzt auch im ics-Format herunterladen und in die eigene Kalendersoftware importieren kann: robotik.ics.
Und wer jetzt von den obigen Bildern verschreckt ist, der wird im folgenden Video etwas besänftigt und auf den künstlerischen Aspekt der Veranstaltung besonnen:
Roboexotica künstlerischzu den Kommentaren
-
[Linkdump] IREX, Kurzweil und Synchronschwimmen
von Arne am 28.11.2009 um 18:45 Uhr
Robotische Links der vergangenen Tage. Technologie-Propheten, synchronschwimmende Roboter, außerirdische Intelligenz und Videos von der IREX 2009.
Verankerungstechnologie
Über einen robotischen Anker nach dem Vorbild der amerikanischen Scheidenmuschel: „Die beste Verankerungstechnologie, die es bislang gibt, ist zwei bis dreimal schlechter als die Muschel.“
Der Natur abgekupfert
(wissenschaft.de, Jessica von Ahn, 23. November 2009)Außerirdische und Künstliche Intelligenz
Bei Spiegel Online fragt sich „Technologie-Prophet Paul Saffo“, warum wir auf der Suche nach außerirdischer Intelligenz sind, wenn uns die Robotik doch in den nächsten Jahren fremde, intelligente Wesen auf der Erde verspricht. „Die Roboter von morgen sind emotional und superklug.“
Außerirdische und Künstliche Intelligenz
(Spiegel Online, Paul Saffo, 22. November 2009)Ray Kurzweil
Der Stern über die vor einigen Monaten gegründete Singularity University und wie man sich dort mit der Robotik beschäftigt, um „die Menschheit auf Wandel vorzubereiten, der immer schneller kommt.“
Ray Kurzweil über clevere Roboter und virtuelle Welten
(Credit Suisse, Interview, 23. November 2009)Synchron unter Wasser
Eine Flotte bestehend aus zwei autonomen Katamaranen und zwei autonomen U-Booten hat im Atlantik vor der portugiesischen Küste gezeigt, dass auch bei Meeresströmung und Wind die Kommunikation aufrecht erhalten werden kann und die Roboter koordiniert und synchron einen vorgegebenen Pfad abfahren können. Ergebnis des dreijährigen europäischen Forschungsprojekts GREX.
Synchronschwimmen für Roboter
(heise, Peter König, 28. November 2009)Human Computation
In der Frage-Community Aardvark antwortet nicht eine Maschine mit künstlicher Intelligenz, sondern die Maschine sucht diejenige Person, die die Frage am besten beantworten kann.
(Technology Review, Erica Naone, 27. November 2009)
Wenn der Computer nicht alles weißIREX 2009
Videos von der IREX 2009, der International Robot Exhibition 2009 in Tokyo, ausgerichtet von der Japan Robot Association.
(engadget German, Franziska Weiss, 26. November 2009)
Roboter, der Lego-Modelle baut und mehrHinweise zu lesenswerten Artikeln gerne jederzeit an botzeit@ohmpage.org
zu den Kommentaren
-
Obama hat Angst vor Robotern
von Arne am 24.11.2009 um 18:44 Uhr
US-Präsident Barack Obama hat gestern am 23. November auf einer Pressekonferenz nach der Besichtigung einer Schule und ihrer Roboter-Projekte seine Skepsis gegenüber Robotern geäußert und erklärt, aus welchen zwei Gründen er die Robotik im Auge behalten will:
I believe that robotics can inspire young people to pursue science and engineering. And I also want to keep an eye on those robots in case they try anything.
US-Präsident Barack Obama (Hervorhebung von mir)Letzteres ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen, wie im Video der Pressekonferenz deutlich sichtbar ist (der Satz fällt ab Minute 1:50).
Pressekonferenz zur Roboter-ApokalypseNeben der Warnung vor einer Roboter-Apokalypse spricht Obama noch von der Chance, mit der Robotik junge Leute für Wissenschaft und Mathematik zu begeistern und spricht damit etwas Wahres an. Ich habe mittlerweile mehrere Lehrstühle und Professoren kennengelernt, die selbst an der Universität noch die Robotik nutzen, um Studenten für ihren Lehrstuhl und ihre Projekte zu begeistern. Sind die Studenten erst am Lehrstuhl werden sie dann gerne Schritt für Schritt an weniger beliebte Projekte herangeführt.
Ganz davon ab, wird die Robotik auch in Deutschland zunehmend für Schülerprojekte genutzt, weil die Robotik mit ihrer Anschaulichkeit und Fähigkeit, schnell sichtbare und spannende Ergebnisse zu erzeugen, für die Motivation und das Bilden von Interesse ganz wunderbar geeignet ist.
Via Planet Robotics
zu den Kommentaren
-
Roomba verwüstet Wohnung!!1!
von Arne am 19.11.2009 um 20:20 Uhr
Mein Zimmerboden nach dem VorfallSo sah mein Zimmerboden heute aus, nachdem ich nach Hause kam. Im kompletten Zimmer waren tausende kleine Pappschnitzelchen verteilt. Roomba hatte seine freie Zeit genutzt, meine Wohnung zu verwüsten.
Ich hatte den Verpackungskarton eines Geschenks auf dem Boden stehen lassen, auf einem Bücherstapel. Roomba hatte den Karton während seiner programmierten Säuberungsfahrt und meiner Abwesenheit heruntergeschubst und dabei das Polstermaterial, die obigen Wellpappe-Schnipsel, auf den Boden ergossen. Die folgenden Minuten hatte er genutzt, mit seiner kleinen Eckenbürste im Zimmer zu verteilen und in jede Ecke zu schleudern.
Roomba, verstopftGefunden habe ich ihn dann in der rechts dargestellten Form, die Bürsten mit den Pappschnipseln verstopft (natürlich nicht auf dem Rücken, hier schon in der grob gereinigten Form). Die verstopften Bürsten sorgten dann glücklicherweise dafür, dass sich Roomba abschaltete und die Pappschnipsel dadurch zumindest nicht noch in der restlichen Wohnung verteilte. Erfreulicherweise ist der Roomba sehr leicht zu reinigen, iRobot legt dem Roomba dazu ein bequemes Bürstenreinigungs-Werkzeug bei. Insofern kein wirkliches Problem, das Zimmer sah aber auf den ersten Blick trotzdem erschreckend danach aus, als hätten sich zwei Pappkartons einen erbitterten und tödlichen Kampf geliefert.
Fühlt sich irgendwie so an, wie zu seinem allein gelassenen Haustier nach Hause zu kommen, das gelangweilt die Wohnung zerpflückt hat. Aber ich habe dem Roomba bereits verziehen. Er hat schon sehr viel mehr sauber gemacht, als in dieser Aktion verwüstet.
zu den Kommentaren
-
[Linkdump] 19. November 2009
von Arne am 19.11.2009 um 12:42 Uhr
Robotische Links der vergangenen Tage. Roboter in der Führerscheinprüfung, tanzende Roboter, Maschinen warten Maschinen und Science-Fiction-Autoren bei der DARPA:
Tanz ist eine Sache des Kopfes
(Neue Westfälische, Heike Krüger, 16. November 2009)
Die Kognitionswissenschaftlerin Bettina Bläsing im Interview mit der Neuen Westfälischen über kreative Prozesse und tanzende Roboter. „Ich nehme an, dass es in Japan vielleicht sogar einen Markt gäbe für den Roboter als Tanzpartner.“Singularity University – Sommerschule für Weltenlenker
(Stern, Karsten Lemm, 16. November 2009)
Der Stern über die vor einigen Monaten gegründete Singularity University und wie man sich dort mit der Robotik beschäftigt, um „die Menschheit auf Wandel vorzubereiten, der immer schneller kommt.“Teilautonome mobile Roboter zur Fernwartung prozesstechnischer Anlagen
(Informationsdienst Wissenschaft, Birgit Graf, 16. November 2009)
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart beschäftigt sich mit der Möglichkeit, selbst die Wartung von Maschinen nicht mehr nur von Menschen, sondern wiederum mit Hilfe von Maschinen erledigen zu lassen. „Dabei wird der Roboter durch einen Benutzer ferngesteuert, unterstützt diesen jedoch durch teilautonome Sicherheits- und Bewegungsfunktionen.“Neue Prothesentechnik – Autofahren ohne eigene Arme
(Süddeutsche, 13. November 2009)
„Es surrt wie bei einem Roboter, wenn Christian Kandlbauer in seinem Auto die rechte Hand ans Lenkrad legt.“ Bericht über einen 21-jährigen Österreicher, der beide Arme verloren hat und nun zwei moderne Prothesen trägt, mit deren Hilfe er im Oktober seine Führerscheinprüfung bestanden hat und die ihm so zu einem fast normalen Leben verhelfen.DARPA – Inventing this side of the impossible
(NewScientist, Tom Simonite, 11. November 2009)
Englischsprachiger Artikel über die unglaublichen Entwicklungen der DARPA, die ursprünglich als Antwort auf den russischen Satelliten Sputnik gegründet worden war und seitdem viele visionäre Dinge wie das Internet und GPS entwickelt hat. „The best DARPA programme managers, I swear, are science fiction writers.“Was Roboter über Menschen erzählen
(futurezone@ORF, Anna Masoner, 15. November 2009)
„Was […] haben […] Fiktionen mit der Roboterforschung zu tun, und was erzählen sie uns eigentlich über den Menschen, dessen Abbild Roboter ja oft sein sollen?“ Futurezone über das kürzlich erschienene Sammelband Public Fictions. Wie man Roboter und Menschen erfindet.
Hinweise zu lesenswerten Artikeln gerne jederzeit an botzeit@ohmpage.org
zu den Kommentaren
-
Seaglider sucht nach Walen
von Arne am 17.11.2009 um 19:37 Uhr
SeagliderBis zu zehn Monate kann der Unterwasserroboter Seaglider autonom, ohne Hilfe und ohne Energie nachzutanken durch den Ozean schwimmen. Auf der Suche ist er dabei nach Schnabelwalen, kleinen Delfin-ähnlichen Walen, und deren Gesang.
Der Seaglider zieht seine Bahnen durch den weiten Ozean rund um Hawai und kann so bis zu 4600 Kilometer alleine schwimmen und bis zu 650 Tauchgänge in Tiefen bis zu 1000 Metern absolvieren. Er soll dabei den Gesang der Schnabelwale aufzeichnen. Im Vergleich zu dem Gesang von zum Beispiel Buckelwalen ist der Gesang der Schnabelwale nämlich deutlich hochfrequenter und breitet sich daher nicht so weit aus und ist nur aus geringer Entfernung wahrzunehmen. Der Seaglider kann die Wale aber in Ruhe aufspüren und ihnen im richtigen Abstand folgen, um die Gesänge aufzuzeichnen. Immer wieder taucht der Seaglider an die Oberfläche, um Kontakt via Satellit aufzunehmen und dabei Ergebnisse zu melden und neue Instruktionen aufzunehmen.
Der Roboter wurde von iRobot und der University of Washington konstruiert. Geld und Ideengeber ist das Office of Naval Research, das im Namen der United States Navy wissenschaftliche Forschung durchführt. Das Projekt läuft vorerst für 20 Tage und ist mit 1,5 Millionen US-Dollar finanziert.
Ich musste eine Weile überlegen, bis ich darauf kam, woran mich der Seaglider erinnert: die Sonde aus Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart.
Der Seaglider bei iRobot.
Via Planet Robotics.
zu den Kommentaren
Seaglider zerlegt
-
Robotik 2010 in München
von Jörn am 16.11.2009 um 22:03 Uhr
Vom 7. bis zum 9. Juni 2010 finden in München gleich drei Robotik-Veranstaltungen parallel statt. Wissenschaftler und Anwender aus der ganzen Welt treffen sich beim 41st International Symposium on Robotics (ISR 2010) und der 6th German Conference on Robotics (ROBOTIK 2010). Begleitet werden die beiden Konferenzen von der internationalen Fachausstellung AUTOMATICA.
Die Geschichte der ISR reicht bis in die frühen Tage der ersten Industrieroboter zurück. Sie ist die weltweit älteste Konferenz zum Thema Robotik. Die ROBOTIK hingegen ist eine vergleichsweise junge Veranstaltung. Sie wird von der Deutschen Gesellschaft für Robotik ausgerichtet. Seitdem sie im Jahr 2000 in Berlin zum ersten Mal stattfand, stellt sie im zweijährigen Rhythmus die größte nationale Konferenz rund um das Thema Robotik dar. Mehr zu der kombinierten Veranstaltung ist auf den offiziellen Seiten der Konferenzen zu finden.
Die AUTOMATICA ist eine internationale Fachmesse, auf der im zweijährigen Rhythmus Innovationen im Bereich der Mechatronik und Automatisierungstechnik vorgestellt werden. Neben Herstellern, Anwendern und Dienstleistern aus der Robotik sind auch Austeller aus den Bereichen der industriellen Bildverarbeitung, der Sensorik, der Sicherheits-, Steuerungs- und Antriebstechnik auf der Messe vertreten. Die AUTOMATICA ist nach Angaben der Ausrichter die Automationsmesse mit dem weltweit größten Robotik-Angebot [1] .
- 1
- AUTOMATICA: Messekonzept
