Autonome Robotik
-
Drohne tötet Taliban-Chef
von Arne am 08.08.2009 um 17:50 Uhr
Aktuell in den Nachrichten ist, dass der Taliban-Chef Baitullah Mehsud von einer US-amerikanischen Drohne getötet wurde. Noch ist die Autonomie der aktuellen Kriegsdrohnen auf das Fliegen an sich, also die Technik, beschränkt. Einzelne Modelle suchen aber schon jetzt selbstständig Angriffsziele. Bis Drohnen entsprechend weiterentwickelt werden, um diese dann auch eigen-initiativ anzugreifen, dauert es möglicherweise nicht mehr allzu lang.
Auch wenn es sich bei Drohnen nicht um klassische Roboter handelt, ist der Übergang fließend und damit jede Meldung zu Kriegsdrohnen auch eine Meldung zu Robotern im Krieg (oder zumindest den Weg dahin). Und das ist traurig! Ich mochte die Zeit irgendwie lieber, in der Roboter in den Medien ausschließlich dadurch auftauchten, dass sie aufrecht gehen gelernt haben, zum ersten Mal auf dem Mars herumdüsten [1] oder viele Tore beim Fußballspielen geschossen haben.
Meldungen über Militärroboter werden aber wohl weiter zunehmen. An ihrem Einsatz führt aus naheliegenden Gründen bei modernen Militärs kein Weg vorbei.
- 1
- Es handelte sich erneut um eine Predator-Drohne, die schon einmal in den Medien von sich Reden machte.
- 2
- Zugegeben, „herumdüsen“ ist hier vielleicht nicht ganz das richtige Wort, bedenkt man, dass die beiden Mars-Rover ungefähr einen Kilometer im Jahr fahren.
-
Carnegie Mellon feiert 25 Jahre Field Robotics
von Arne am 07.08.2009 um 17:16 Uhr
Die Carnegie Mellon University hat eine Reihe fantastischer Videos der Feierlichkeiten anlässlich „25 Jahre Field Robotics“ — 25 Jahre Robotik in der realen Außenwelt — zur Verfügung gestellt. Dabei sind wirklich tolle Vorträge, die auf der Website anzusehen sind. Die Videos sind jeweils etwa eine gute halbe Stunde lang und wiegen 150-200 MB. Die Videos sind:
Brian Wilcox: Perspectives on Space Robotics — Robotik in der Raumfahrt
John Reid: Agricultural Robotics: Creating A Revolution — Roboter in der Landwirtschaft
Dana Yoerger: Discovery & Exploration of Deep Sea Hydrothermal Vents using an Autonomous Robot — Probleme und Techniken für Roboternavigation in der Tiefsee
Marc Raibert: BigDog: The Rough-Terrain Robot — Entwicklung der berühmten vierbeinigen Laufmaschine BigDog
Hugh Durrant-Whyte: Sun, Surf, & Automation: A Decade of Field Robotics in Australia — Robotik in der endlosen Weite Australiens
David Lavery: Case Studies in Space Robotics Development — Geschichten und Visionen der Raumfahrt-Robotik
Robin Murphy: Being There — Anforderungen an Rettungs-Roboter
David Akin: The Intersection of Humans and Robots
Sebastian Thrun: Robotic Cars: Are we done yet? — Entwicklungen des autonomen Fahrens und was noch zu tun ist
Äußerst sehenswert! Meine Favoriten sind bislang die unterhaltsamen Vorträge von Lavery und Thrun.
Via Plastic Pals.
zu den Kommentaren
-
Kein Review: Robotics — State of the Art and Future Challanges
von Arne am 05.08.2009 um 16:17 Uhr
Das CoverEigentlich wollte ich zu dem Buch bereits seit einiger Zeit noch ein umfängliches Review schreiben, bin aber irgendwie bislang nicht dazu gekommen. Und bevor ich das immer weiter vor mich herschiebe und das Buch irgendwann veraltet und damit das Review unsinnig ist, will ich zumindest eine kurze Vorstellung und Empfehlung des Buches schreiben.
Das Buch, um das es geht, trägt den Titel „Robotics — State of the Art and Future Challanges“ und ist von einer ganzen Reihe von Robotik-Forschern [1] gemeinsam verfasst. Das spannende an dem Buch neben dem Inhalt ist die Situation, in der es entstanden ist. Das World Technology Evaluation Center (WTEC) hat eine Studie zum weltweiten Stand der Technik in der Robotik in Auftrag gegeben. Für diese Studie wurden namhafte US-amerikanische Wissenschaftler um die ganze Welt geschickt, um in Gruppen insgesamt 50 Institute in Japan, Südkorea, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, der Schweiz und Großbritannien zu besichtigen. Die Ergebnisse werden in dem Buch zusammengefasst und mit dem Stand der Robotik in den USA verglichen.
Lesenswert ist das Buch neben dieser Entstehungsgeschichte und dem dementsprechenden breiten Fundament vor allem durch seine Struktur. Zu Beginn wird eine allgemeine Perspektive der Robotik gegeben und der Stand der Technik in den drei Regionen
USA
Japan und Südkorea
Europa
zusammengefasst. Der Großteil des Buches besteht jedoch aus den Kapiteln zu den verschiedenen Gebieten der Robotik. Diese sind:
Robotik in der Raumfahrt
Humanoide
Industrie- und Servicerobotik
Roboter für biologische und medizinische Anwendungen
Schwarmroboter
Jedes dieser Kapitel bietet auf ca. 20-30 Seiten eine Einführung und einen tollen Überblick über die jeweilige Disziplin der Robotik. Die Kapitel sind aufwendig und anschaulich bebildert, auch wenn die Bildqualität bisweilen etwas zu Wünschen übrig lässt.
Das Buch gibt einen tollen, anschaulichen Überblick über die Robotik und ist durch seine Struktur sehr verständlich. Das Buch hebt sich von anderen Büchern mit ähnlichem Fokus dadurch ab, dass es einen Eindruck vermittelt, wie sich die Kompetenz der Robotik in der Welt verteilt.
Robotics — State of the Art and Future Challanges, ISBN 978-1-84816-006-4, erschienen bei World Scientific Pub im September 2008. Bei Amazon als Hardcover erhältlich für 51,99 EUR: Robotics.
- 1
- Geoge Bekey, Robert Ambrose, Vijay Kumar, David Lavery, Arthur Sanderson, Brian Wilcox, Junku Yuh und Yuan Zheng
-
Freies Robotik-Buch
von Arne am 31.07.2009 um 01:20 Uhr
Buch: RobotikAus all den robotischen Artikeln der deutschsprachigen Wikipedia habe ich ein Buch mit Inhalten zusammengestellt, die all jene interessieren könnten, die sich allgemein für Robotik interessieren. Von Grundlagen (Sensorik, Aktorik, maschinelles Lernen, …) über verschiedene Roboter (Aibo, ASIMO, ELIZA, …), Wettbewerbe (DARPA Challenge, European Land-Robot Trial, …) und Robotikunternehmen (ABB, KUKA, Evolution Robotics, …) bis hin zu Artikeln über Personen der Robotik (Thrun, Lowe, Asimov, …).
Da die Autoren der Wikipedia ihre Arbeit unentgeldlich erledigen, steht auch das Buch hier frei als PDF zur Verfügung. Das PDF umfasst 518 Seiten und enthält 216 ausgewählte Artikel der deutschsprachigen Wikipedia, von Action Description Language bis XM1216 Small Unmanned Ground Vehicle. Hier geht´s zum Download (PDF, 42 MB). [1]
Das Buch lässt sich auch für etwas Geld bei Pediapress bestellen, einem Unternehmen, das sich auf das Drucken dieser Bücher spezialisiert hat: Hier bestellen (als Herausgeber bitte botzeit.de angeben). In der gedruckten Form hat das Buch 774 Seiten und ist für 28,22 EUR + Versandkosten zu haben. Bezahlen kann man per Kreditkarte oder PayPal. Die Bücher werden in der Regel innerhalb von 2 Werktagen gedruckt und versendet. Die Laufzeiten der Post variieren zwischen 2 und 10 Werktagen abhängig vom Zielort, versendet werden die Bücher aus London. Ich verdiene an dem Buch nichts.
Sollten wichtige Artikel fehlen, freue ich mich über Vorschläge. Ich werde das Buch kontinuierlich verbessern, daher ist jede Anregung willkommen. Einfach in die Kommentare schreiben. Ich werde in nächster Zeit das Buch auch noch sinnhafter zu strukturieren versuchen. Inhaltliche Fehler oder Rechtschreibfehler können natürlich direkt in der deutschsprachigen Wikipedia korrigiert werden.
- 1
- Das Buch steht wikipedia-typisch unter der freien GNU Free Documentation License zur Verfügung, mehr dazu im Anhang des Buches.
-
[Review] Jacques Pitrat: Artificial Beings
von Arne am 29.07.2009 um 22:27 Uhr
Artificial BeingsDer Verlag Wiley hat mir vor einiger Zeit auf meinen Wunsch hin ein Review-Exemplar des Buches „Artificial Beings — The conscience of a conscious machine“ von Jacques Pitrat zugeschickt, das kürzlich erschienen ist. Das Buch befasst sich aus der Sicht des langjährigen KI-Wissenschaftlers [1] Pitrat mit Artificial Beings, Pitrats Bezeichnung von künstlich-intelligenten Maschinen in Abgrenzung zu Human Beings, den Menschen.
Jacques Pitrat ist ein französischer KI-Forscher, der über 20 Jahren am Centre national de la recherche scientifique an CAIA entwickelte, einem künstlichen Wissenschaftler, wie Pitrat ihn nennt. CAIA ist eine Maschine, die Probleme selbstständig und systematisch angehen und lösen soll.
Da Pitrat als Hauptentwickler von CAIA diesem System besonders nahe steht, baut er Begrifflichkeiten und Zusammenhänge und fast das komplette Buch rund um CAIA auf. Er versäumt dabei nicht, stets auch auf den allgemeinen Fall hinzuweisen, nutzt CAIA aber regelmäßig für Beispiele und um vorher geschriebenes anschaulich zu machen.
Das (englischsprachige) Buch ist mit grundlegenden Englischkenntnissen gut zu lesen. Besonders angenehm ist die präzise und vollständige Sprache von Pitrat, der jeden zentralen Begriff konkret einführt und damit den Leser nie im Unklaren lässt, was seine Formulierungen betrifft. Das ist insbesondere hilfreich, wenn es um die Unterscheidung zentraler Begriffe wie Conscience und Consciousness geht.
Das Buch beginnt bei grundlegenden Gedanken zu künstlicher Intelligenz und findet im Verlauf zu Konzepten wie Emotionen, Gewissen und Selbstbewusstsein von Maschinen, die Pitrat als essentiell für künstliche Intelligenz betrachtet.
Dabei geht Pitrat auch auf seine Entwicklungmethodik für den künstlichen Wissenschaftler CAIA ein, die er Bootstrapping Artificial Intelligence nennt. [2] Damit bezeichnet er seinen Entwicklungsprozess, bei dem er mit einer einfachen, wenig intelligenten KI startet, um in Zusammenarbeit mit dieser iterativ jeweils die nächst-bessere KI zu entwickeln − ein Prozess, den Pitrat über 20 Jahr durchführte. Einzelne Versionen von CAIA lebten dabei über einige Monate und entwickelten neue Ideen, die in die Entwicklung der neuen Versionen einflossen. Pitrat schreibt dazu, dass es seine Überzeugung ist, dass Menschen nur durch Bootstrapping mithilfe von künstlicher Intelligenz in der Lage sein werden, das komplexe Problem der Entwicklung einer künstlicher Intelligenz zu lösen. Der aufmerksame Leser wittert hier das sprichwörtliche Henne-Ei-Problem.
„Artificial Beings — The conscience of a conscious machine“ ist im März 2009 beim Wiley-Verlag erschienen, ISBN 978-1-84821-101-8. Bei Amazon als Hardcover erhältlich für 74,99 EUR: Artificial Beings. Das Buch ist durch seine klare Sprache und den verständlichen Erläuterungen von Fachbegriffe für jeden lesenswert, der in Robotik oder künstliche Intelligenz interessiert ist.
Website von CAIA - herunterladbar unter der GPLv3-Lizenz
- 1
- KI: Künstliche Intelligenz
- 2
- Bootstrapping bezeichnet in der Informatik einen Prozess, der aus einem einfachen System ein komplizierteres System aktiviert. [Wikipedia]
-
Europas Plan für die Robotik
von Arne am 28.07.2009 um 18:15 Uhr
Im Jahr 2005 hat sich alles, was in Europa Rang und Namen in der Robotik hat, zur EUROP zusammengeschlossen. EUROP steht für europäische Robotertechnolgie-Plattform (European Robotics Technology Platform) und hat zum Ziel, eine Forschungsagenda für die Robotik in Europa auszuarbeiten. EUROP wird von der Europäischen Kommission unterstützt und hat eine wirklich beeindruckende Liste von Mitgliedern.
Am 7. Juli war es nun endlich soweit, die SRA (Strategic Research Agenda) wurde nach vier Jahren Arbeit veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Robotic Visions to 2020 and beyond – The Strategic Research Agenda for robotics in Europe, 07/2009“ und steht öffentlich zum Herunterladen zur Verfügung: Download.
Die Agenda ist fancy bebildert und in leicht verdaulichem Englisch geschrieben. Sie zeigt zuerst denkbare Anwendungen und Einsatzbereiche für Roboter auf und gliedert das im weiteren Verlauf des Dokuments in dafür notwendige Einzelbausteine bzw. Module auf. Zum Ende steht eine einigermaßen konkrete Roadmap bis zum Jahr 2020+, die in einzelnen Bereichen der Robotik (Sensorik, Aktorik, Softwarekomponenten, ...) einen groben Zeitplan vorlegt. Die Planungen für 2020+ lesen sich dabei jedoch einigermaßen optimistisch. Werden sie erreicht, haben wir 2020 sich selbst dynamisch konfigurierende, hochgradig energie-effiziente, filigrane, lernende und autonom handelnde und planende Roboter, die über Protokollengrenzen hinweg und trotz unterschiedlicher Fähigkeiten miteinander kommunizieren können.
Wenn das so funktioniert, wird es bis dahin eine spannende Zeit mit sensationellen Neuentwicklungen. Voraussetzung dürfte sein, dass die Unternehmen, die an der Agenda mitgearbeitet haben, nicht direkt wieder auseinander gehen und aneinander vorbei entwickeln. Warten wir`s ab.
zu den Kommentaren
-
[Linkdump] 10. Juli 2009
von Arne am 10.07.2009 um 18:52 Uhr
Nach langer Zeit mal wieder ein kleines Lebenszeichen. Bald geht´s hier wieder weiter. Bis dahin ein paar Links:
Golem: Fliegenforschung für bessere Roboter − Wissenschaftler erforschen, wie das Gehirn einer Fliege Bilder verarbeitet
idw: Bester Roboter der Welt − Der VolksBot Johnny beim Robo-Cup in Graz
derStandard: Österreichischer Roboter wieder Segelweltmeister − ASV Roboat beim World Robotic Sailing Championship
Golem: Nudelsuppe vom Kochroboter − Automatisch zubereitete Speise mit 40 Millionen Geschmacksrichtungen
heise: RoboCup-WM − Mehrere Weltmeistertitel für deutsche Teams
innivationsreport: Roboter lernen Strom sparen − Energieeffizienz in der Robotik
-
[Linkdump] 10. Juni 2009
von Arne am 10.06.2009 um 22:14 Uhr
Vor einer kommenden kurzen Urlaubsauszeit nochmal schnell ein paar robotische Links der letzten Tage.
Heise: Kleines Gehirnimplantat für die Prothesensteuerung − Elektrokortikografie
Golem: Töten war nie einfacher als heute − Kritik an der Entwicklung von Militärrobotern
ZEIT: Griff zur Nase − Selbstbewusstsein von Robotern
news-ticker.org: Roboter von ABB in neuem Terminator-Film
Süddeutsche: Kleine Katastrophenmelder − Bienen mit Mikrochips könnten künftig großflächig Umweltgifte aufspüren
Tagesspiegel: Deutscher Roboter soll zum Mond − Spätestens 2018 soll ein Landefahrzeug auf dem Erdtrabanten aufsetzen.
idowa.de: Further Drache − Ein 16-Meter-Roboter auf vier Beinen
